BAYREUTH/BERLIN. Die umstrittene Kartenvergabepraxis bei den Bayreuther Richard-Wagner-Festspielen wird demnächst die Aufsichtsgremien beschäftigen. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) erklärte am Freitag in Berlin, er nehme die Kritik des Bundesrechnungshofs sehr ernst.
Verwaltungsrat und Gesellschafterversammlung der Festspiele, an denen der Bund zu einem Viertel beteiligt ist, müssten über die Kartenvergabe diskutieren und gegebenenfalls Korrekturen am
Verfahren vornehmen.
Der Bundesrechnungshof hatte bemängelt, dass nur rund 40 Prozent der knapp 58.000 Karten für die 30 Vorstellungen in den freien Verkauf gelangten. Eine Kontingentierung sei nicht mit den
Förderzielen des Bundes vereinbar.
Bund und Land beteiligen sich mit jeweils 2,3 Millionen Euro am Betriebskostendefizit der Festspiele. Die gleiche Summe teilen sich die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth, die Stadt Bayreuth und
der Bezirk Oberfranken.
Unverständnis bei Mäzenen
Bei den Mäzenen stieß der Bericht des Bundesrechnungshofs auf Unverständnis. Die Mitglieder der Gesellschaft der Freunde bekommen rund ein Viertel der Karten zum regulären
Preis. Neben dem Betriebskostenzuschuss von gut 700.000 Euro im Jahr finanzieren die gut 5.000 Mäzene Bau- und Sanierungsmaßnahmen der Festspiele aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden
mit mehr als zwei Millionen Euro pro Jahr.
Der Vorsitzende des Verwaltungsrats der Festspiele, Toni Schmid, will den Bericht auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Gremiums setzen. Allerdings liege ihm der Inhalt noch nicht
vor.
Schmid warnte ausdrücklich davor, das Kartenkontingent der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth zu beschneiden und damit die Spendenbereitschaft der Mitglieder für die Festspiele zu
schmälern. "Der Bundesrechnungshof kann nicht verlangen, dass wir die Kuh schlachten, deren Milch wir brauchen", sagte Schmid der Nachrichtenagentur dpa.
dpa/Foto: Rüger
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